Ethik ist immer die Frage nach dem richtigen, moralischen Handeln und somit ist Vegetarismus auch eine praktizierend Ethik.
Allerdings scheinen mir die vielen philosophischen Betrachtungen, die es zu diesem Thema gibt, letztlich zu theorisierend, vielleicht auch überflüssig.
Warum:
Es gibt ja sehr interessante Bücher zu dem Thema, geschrieben von bedeutenden Schriftstellern, Sachbuch-Autoren. Wir wissen, dass schon die alten
Philosophen (natürlich nicht alle) den Vegetarischmus als ein ethisches Lebensprizip beschrieben haben.
Was mir aber bisher immer fehlt in den Büchern, ist eine Beschreibung des ganzheitlichen Bewusstseins. Die Inhalte sind oft selektiv auf ein Schwerpunkt ausgerichtet, z.B. nur auf den Menschen, da und dort nur auf die Tiere, selten gibt es eine ganzheitliche Beschreibung, die ethische Grunsätze auch auf alles Leben bezieht.
Was ist ein ganzheitliches Bewusstsein? Dazu ein paar kurze fundamentale Antworten
Sich bewusst werden, dass alles Leben auf der Erde und im Universum „Eins“ ist und wir Menschen nur ein Teil davon sind.
Sich bewusst werden, dass alles Leben einer universellen Gesetzmässigkeit unterliegt, d. h. einer Bestimmung folgt, die durch die eigenen Verhaltensmuster geprägt wird.
Sich bewusst werden, dass Mitgefühl für alles Leben der beste Weg in eine vollkommenere Verwirklichung des höheren Selbst bedeutet.
Sich bewusst werden, dass wir in einem Gesellschaftsdenken eingebunden sind, das sich nicht nach einer höheren Ordnung richtet, sondern nur durch die gedankliche Energie geprägt wird und deshalb keinem Wissen entspringt, das eine Weisheit beinhaltet.
Sich bewusst werden, dass dieses Leben nicht einzigartig ist, sondern in anderen Formen und auch in anderen Ebenen weiter existiert.
Sich bewusst werden, dass man zuerst „Geist“ oder auch nur einfach Energie war (woher komme ich), bevor man in einer körperlichen Form eine Existenz gefunden hat.
Es gehört also weit mehr dazu ein ganzheitlich bewusstes Wesen zu sein, das hier und jetzt, also die Gegenwart, ist umschlossen von Vergangenheiten und von Zukunften. Alles zusammen muss in Einklang mit sich selbst (seinem Ich) gebracht werden.
Man darf also ethisches Verhalten nicht nur auf den Menschen begrenzen, sondern muss die gesamte Tierwelt, letztlich auch die Pflanzen, also alles Leben darin mit einbeziehen. Wenn aber der Mensch sich nur auf das momentane Leben begrenzt und das Vorher und das Nachher völlig ignoriert, warum sollte er dann sich einer universellen Ethik unterziehen, er wird sie ja nicht verstehen.
Zurück zum Vegetarismus.
Vegetarismus sollte keine Ersatz-Religion/Philosophie sein. Seine negative Ausprägung erhält der Vegetarismus dann, wenn die Menschen ihn als Basis für "militantes Verhalten" nutzen. In der leichten Form kann dies schon der Fall sein, wenn Agressivität gegenüber den Anderstlebenden (Fleischessern) zum Lebensmittelpunkt wird. Sosehr ein Vegetarier leidet unter der ignorierenden Gesellschaft, mit Hass und Agressivität tut er ja auch sich selber nichts Gutes an und den Tieren nützt es auch wenig.
Die Philosphie des Vegetarismus ist immer ein Miteinander von Mensch und Tier. Nur wenn Menschen keine Unterschiede mehr machen zwischen den Tieren, also dem Wurm und der Fliege beispielhaft auch ihr Recht am Leben lassen, dann ist Vegetarismus auch ein ethisches Handeln.
Leider ist in den meisten Religionen die Ethik nur auf den Menschen bezogen, der Vegetarismus als ethisches Prinzip wird verheimlicht, ist tabu. Es gibt nur wenige Stellen in den Schriften, die da eine klare Aussage machen und es bedarf schon einer genauen Kenntnis diese in den "heiligen Büchern" zu finden. Die heute angewandten Schriften ignorien diese Tatsachen. Es muss eigentlich jeden Vegetarier, der auch einer Religion angehört, schon nachdenklich machen, abgesehen von vielen anderen negativen Gebahren der heutigen Kirchen. Kann man einer Religion angehören, für die Tiere nur als "Nutzen für die Menschen" ansieht.
Mag es doch fast als Trost für den Vegetarismus gelten, dass in unserer Werte-Gesellschaft der Stellenwert der Tiere im Vergleich zu früheren Gesellschaften an Wert gewonnen hat, fast möchte man sagen, ein kleines bischen ist diese Ethik auch bei uns angekommen. Allerdings sollte sich der Mensch auch ohne gesellschaftliche Regeln oder Gesetze bewusst sein, dass Tiere unsere Mitbewohner auf diesem Planeten sind, die es zu achten gilt und dass man dies nicht erst durch Regeln/Gesetze erzwingen muss. Aber wenn wir uns dessen soweit als Gesellschaft bewusst geworden sind, werden wir auch viele anderen gesellschaftlichen Regeln/Gesetze nicht mehr benötigen. Das wird das das Paradies sein oder wieder das Paradies werden.