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Sie lieben die Tiere ja mehr als die Menschen "ZeitenWENDE" (Ausgabe 26 / 2007) Dr. Helmut F. Kaplan

Großzügigerweise ist man ja bereit, "Tierfreunden" so einiges an "Verrücktheiten" nachzusehen eben WEIL sie "Tierfreunde" und damit zumindest leicht verrückt sind: dass sie zuviel Zeit für Tiere verwenden, dass sie Tiere zu sehr lieben ("Hundenarr", "Katzennarr" usw.) und vieles andere mehr. Bei einem Vorwurf findet jegliches Verständnis allerdings ein jähes Ende: "Sie lieben die Tiere ja mehr als die Menschen!" Ist man dieses Kapitalverbrechens erst einmal verdächtigt, hat man augenblicklich jeglichen Kredit und alle Sympathien verspielt! Warum eigentlich?

1) Wer mit Selbstverständlichkeit davon ausgeht, dass man Menschen mehr wertschätzen müsse als Tiere, beantwortet voreilig eine Frage, die vernünftigerweise erst einmal gestellt und diskutiert werden müsste: WARUM sollen Menschen auf alle Fälle wertvoller sein?

2) Die Forderung an Menschen, Menschen mehr zu lieben als Tiere, kann auch als Aufforderung zu einer ausgesprochenen Untugend gesehen werden: als Aufforderung zur Parteilichkeit. Zur Parteilichkeit für die uns Näherstehenden bzw. zur negativen Voreingenommenheit gegenüber "Fremden". Das ist im Grunde ein klassischer Anti-Ethik-Ansatz - geht es doch in der Ethik nicht zuletzt gerade darum, Parteilichkeiten in Frage zu stellen und zu überwinden.

3) Es spricht viel dafür, dass viele Tiere vielen Menschen moralisch überlegen, zumindest nicht moralisch unterlegen sind: Die bloße menschliche Moralfähigkeit, also die Fähigkeit, zwischen Gut und Böse zu unterscheiden und zu entscheiden, ist ja noch kein Verdienst. Verdient macht sich jemand erst, wenn er diese Fähigkeit auch positiv NÜTZT, sprich: sich tatsächlich für das Gute entscheidet. Andererseits erzeugt erst die Moralfähigkeit die Gefahr, moralisch zu scheitern, sprich: sich für das Böse zu entscheiden. Moralfähigkeit bedeutet also keineswegs automatisch moralische Höherwertigkeit, beinhaltet aber die Gefahr, moralisch minderwertig zu werden minderwertig im Vergleich zu jenen, die von vornherein nicht moralfähig sind. (Ob und in welchem Maße bestimmte Tiere moralfähig sind, wollen wir in diesem Rahmen nicht diskutieren.)

4) Wer nicht Augen, Ohren, Hirn und Herz davor verschließt, wie fürchterlich Menschen Tiere behandeln, der MUß die Tiere mehr lieben als die Menschen, die diese unschuldigen Tiere tyrannisieren, quälen und umbringen!

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Antworten auf diese Diskussion

Hallo Gerold,

zuerst einmal Dankeschön an vegetarier24.de für die Möglichkeit,

dass man sofort per Email über neue Beiträge informiert wird.

Ich habe Ihren Beitrag aufmerksam gelesen und möchte meine Meinung dazu äußern.

Es wird zwar viel zu viel über tierfreundliche Lebensweise diskutiert und geschrieben,

aber leider nicht genug in die Realität umgesetzt. Ich selbst versuche seit 1998

so weit es geht, tierfreundlich zu leben. Seit dem weiß ich aber auch, wie wichtig

das Geld dabei eine Rolle spielt. Ich wünsche mir deshalb ein finanziell freies Leben.

Nur so kann ich mir ein Traumleben mit ausschließlich "umwelt- und tierfreundlichen"

Produkten leisten und in vollen Zügen genießen...

Liebevolle Grüße

Gülay
Ich find es traurig dass die Großindustriellen in der Massentierhaltung den größten Teil der weltweiten Sojaernte an die sogenannten "Nutztiere" verfüttert. Denn damit könnten wir soviele Menschen vor dem Verhungern retten und einen großen Teil des nicht mehr benötigten Ackerlandes an die Natur und somit auch an die Tiere, von denen ja soviele vom Aussterben bedroht sind, zurückgeben. Da ich zur sogenannten "Unterschicht" gehöre, muß ich doch als "vegan" - lebender sehr auf
meinen Haushalt achtgeben. Ich verzichte nicht auf Qualität oder die konsequente Einhaltung meiner Lebensweise sondern schränke einfach mein Konsumverhalten ein. Da ich arbeitslos bin und von Almosen des Staates lebe bin ich beruhigt, dass ich demselbigen weniger zur Last falle wie jetzt z.B. ein Arbeiter und die freie Zeit, die ich jetzt durch meine Arbeitslosigkeit habe, ermöglicht es mir, mich mehr um wichtge Dinge zu kümmern, die von einem Großteil unserer Gesellschaft einfach ignoriert werden. LG gerold
Hallo Gerold,

wenn ich mir Ihre Zeilen so lese, dann geben Sie mir den Eindruck, dass Sie mit Ihrer jetzigen Situation
in der "Unterschicht" nicht ganz zufrieden sind. Alles hat seinen Sinn... Auch Ihre Arbeitslosigkeit ;)
Wenn Sie wünschen und daran glauben, könnten Sie sobald wie möglich wieder ein "Arbeiter" sein.
Das mächtige Universum würde bestimmt einen Weg finden...
Wollen Sie das wirklich? Ich denke nicht. Die erste und die zweite Buchstabe Ihres Namens sagt mir
das Gegenteil. Nämlich, dass Sie als "Selbstständiger" tätig sein sollten, um wirklich glücklich zu sein.

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg dabei!

Liebevolle Grüße

Gülay
Hallo Gülay,

Sie haben eine gut Menschenkenntnis, Arbeiter bin ich zwar gerne, aber unter den heutigen Umständen - die wir schon seit 200 Jahren haben - übertrifft die "psychische" Anstrengung die körperliche bei weitem.
Die Menschen sollten nicht geistig leiden müssen, denn das Leben ist so schon schwer genug, und darum ist auch Alkohol-, Drogen- und Medikamentenmißbrauch heute in einer breiten Gesellschaftsschicht an der Tagesordnung, abgesehen von den vielen weiteren verwerflichen "Sitten" in die sich die Menschen hineinziehen lassen (u.a.Destruktivität).

"Selbständigkeit" ist wenn mensch sich unsere Spezies betrachtet wohl eher eine Illusion, aber ich persönlich arbeite schon lieber allein oder am liebsten mit "Gleichgesinnten" -

Liebevolle Grüße zurück

gerold

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