.Das Gewinnen der Fleischnahrung ist auch bei weiterer Ausbildung der Schlacht- und Jagdreform nicht möglich ohne entsetzliche Tierquälereien, die Tiere im Leben und im Sterben zu ertragen haben.
Diese aber verübt der Mensch nicht, um sein Leben zu erhalten oder sich vor qualvollen Krankheiten zu schützen, sondern aus falscher Genußsucht und Bequemlichkeit. Denn eine vegetarische Ernährung, die der Individualität und Arbeitsweise des Menschen vernünftig angepaßt ist, bringt ihm keinen Schaden, sondern Nutzen.
Nichts macht den Menschen so unfähig, die Seele des Tieres zu verstehen, wie die Gewohnheit des Fleischessens, denn sie zwingt ihn, sich vor den höheren seelischen Fähigkeiten der Tiere und ihrer Leidensfähigkeit zu verschließen. Dadurch beraubt er sich selbst einer reichen Quelle gemüterfreuender und gemütveredelnder Eindrücke, die ihn zu immer tieferem Naturgenuß befähigen. (Das Verzärteln einzelner Tiere, während dieselben Menschen gedankenlos Nahrung aus dem Schlachthaus essen, entspringt oft vorwiegend der Selbstsucht und führt häufig zu neuen Formen der Tierquälerei.)
Da die Gewohnheit des Fleischessens die Hauptursache der Tierverachtung und diese die Hauptursache der Tierquälerei ist, so ist jeder Fleischesser mitschuldig an den zahlreichen Tierquälereien, die zu anderen Zwecken verübt werden. (Dabei fällt mir ein entsetzliches Kreisspiel ein, durch das schon die Kinder gegen die Leiden der Tiere abgestumpft werden.... "Ach da denken sich die Kinder nichts dabei", heißt es oft, wenn ich Menschen darauf aufmerksam mache. Aber kommt nicht der größte Teil des Elends in der Welt daher, daß die Menschen sich nichts dabei denken!)
Die Fleischesser machen sich eines schweren sozialen Unrechts schuldig, weil sie durch ihre Lebensweise andere Menschen nötigen, den Schlachtberuf auszuüben, der auf Menschen, die nicht sittlich weit über dem Durchschnitt stehen, eine verrohende Wirkung ausüben muß. Viele Menschen würden mit dem Fleischessen aufhören, wenn sie die Tiere selbst schlachten müßten. Aber man ist nicht nur verantwortlich für das, was man selbst tut, sondern auch für das, was man ausführen läßt.
Aber nicht nur durch das Schlachten, auch durch das Fleischessen werden die Menschen seelisch geschädigt, ihr Mitgefühl mit anderen Wesen abgestumpft, und so werden sie mitschuldig an dem heutigen Mangel an Gerechtigkeit und Güte in der Welt, an dem sie selbst schwer zu leiden haben. Einer vegetarisch lebenden Menschheit würde es leichter gelingen, eine gerechte Gesellschaftsordnung aufzubauen und den Völkerfrieden zu sichern.
Die öffentliche Zurschaustellung blutiger und enthäuteter, zerschnittener und ausgeweideter Tierleichen stumpft das Schönheitsgefühl der meisten Menschen ab und verringert ihre Fähigkeit zu wahrer Freude.
Da das Fleischessen viele Krankheiten verursacht und eine Krankheit in der Regel auch das Wohl anderer Menschen stört, so kann es als sittliche Pflicht betrachtet werden, durch eine richtige vegetarische Ernährung seine Gesundheit und Arbeitskraft zu stärken.
Auch schädigt das Fleischessen die Volkswirtschaft, denn von einem Stück Land, auf dem 10 Gemischtköstler leben, könnten sich zirka 100 Vegetarier versorgen. So wird der Fleischesser mitschuldig an wirtschaftlicher Not und hemmt dadurch die Entwicklung der gesamten Kultur, besonders auch der Friedensarbeit....