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Die meisten Menschen glauben, dass Wut eine ungehörige Gefühlsäußerung ist, die man unterdrücken sollte. Im Yoga und im Buddhismus jedoch sind Wut nicht ausschließlich negativ geprägte Emotionen, die man durchaus lenken und zulassen kann.

Mit Blick auf das Datum des 11. September und den Erfahrungen der Welt mit diesem Tag kann man sehen, dass die Menschheit jedoch durch Wut eine größere Bedrohung erfährt, als durch ausgefeilte Waffentechnologie. Wut wirkt wie ein Molotowcocktail, der in einer Flasche verschlossen auf seine Explosion wartet. Diese Wut begräbt all unsere guten Emotionen unter sich und versengt uns von innen heraus. Unterdrückte Wut belastet Familien und Partnerschaften, Arbeitsverhältnisse und am Ende kann sie sogar verletzen und töten.

Ruanda, Nordirland, der mittlere Osten – hier sieht man täglich Beispiele unkontrollierter Wut. Und doch können wir selbst angestaute Wut in uns nicht wegdenken und wegrationalisieren. Sie hat etwas spontanes, das man etwas verharmlost mit einem Schluckauf vergleichen könnte. Wir fühlen uns provoziert von anderen, verletzt oder ungerecht behandelt – auch von der Gesellschaft. All diese Auslöser können in jedem von uns Wut hervorrufen. Die wichtigere Frage aber ist: Wie können wir konstruktiv mit unserer Wut umgehen?

Schon früh gab es in der Lehre des Yoga und im Buddhismus Anweisungen, wie man Wut abbauen kann, denn sie schadet nicht nur dem, der bei ihrem Ausbruch angegriffen wird, sondern auch dem Aggressor selbst. Die Wut kann also gezähmt werden, das wissen Wissenschaftler, die sich lange mit dem Thema befasst haben.

Es geht zunächst darum die Auslöser zu erkennen: Wut entsteht aus Frustration, Neid, aber auch aus dem Mangel an Kritikfähigkeit und sogar aus Langeweile. Und sie ist mit der Ausschüttung von Adrenalin sogar biochemisch messbar. Das Adrenalin half unseren Vorfahren Bedrohungen zu überwinden und sich im Kampf zu wehren. Heute aber müssen wir nicht mehr Hand an Waffen legen um unser Leben und das unserer Familien zu verteidigen. Und eins ist Wut in jedem Fall: Sie ist ein ganz individuell empfundenes Gefühl. Wir müssen uns selbst gut kennen um unsere Wut steuern zu können. Dann erkennen wir auch, dass uns manches nur verletzt, weil das Gegenüber ein Körnchen Wahrheit ausspricht, die wir uns selbst nicht eingestehen wollen.

Besser ist es über negative Emotionen direkt ins Gespräch zu kommen als sie bis ins Unermessliche anwachsen zu lassen, bis die Wut alle vernünftigen Gedanken überlagert. Nur wer das lernt, der wird auch Momente des Lebens in den Griff bekommen, in denen die Wut so übergroß erscheint, dass sie sich nicht mehr steuern lässt. Vernunft baut Gewaltbereitschaft ab und hilft uns solche Zeiten der Wut heil zu überstehen.

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