Es gibt aus meiner Sicht vier Gründe, vegetarisch zu leben:
Klimaschutz, Tierschutz, Gesundheit und Ethik.
Ich möchte hier den eigentlich für mich wichtigsten Grund, die Ethik nennen.Darüber wird leider zu wenig gesprochen. Natürlich bleibt es jedem überlassen aus welchen Gründen er/sie vegetarisch leben.
Zum Thema Vegetarismus- Ethik- Religionen habe ich einige Informationen in einem Buch gefunden, die exakt das ausdrücken, was ich empfinde und aus dem ich einige Passagen wiedergeben möchte, mit Genehmigung der Autors.
ETHISCHE GRÜNDE :
«Auch wenn wir gar nicht hoffen könnten,
daß jemals alle Menschen zur vegetarischen Lebensweise
übergehen werden, hätte niemand deswegen das
Recht, Fleisch zu essen. Ein Unrecht bleibt auch
dann ein Unrecht, wenn alle es verüben. [...]
Ich sage ja nicht, daß jeder Mensch, der vegetarisch
lebt, gerecht sei, sondern, daß jeder, der nicht
vegetarisch lebt, dadurch ungerecht handelt.»
(Magnus Schwantje, 1877–1959, einer der ersten großen Vorkämpfer
für Vegetarismus und Tierschutz; prägte im Jahre 1902
den Begriff «Ehrfurcht vor dem Leben»
Das griechische Wort ethos, von dem der Begriff «Ethik» abgeleitet ist, bedeutet «innere Gesinnung, Sitte und Lebensführung», die sich aus der Verantwortung des Menschen gegenüber der Schöpfung ergibt. Es ist also nicht verwunderlich, daß sich die Vertreter einer konsequenten Ethik schon immer auch mit der Problematik des Fleischessens beschäftigt haben.
Die meisten Vegetarier sind Menschen, die verstanden haben, daß wir als Beitrag zu einer gerechteren und friedlicheren Gesellschaft zunächst das Problem der Gewalt in unserem eigenen Handeln lösen müssen. Sie sind sich bewußt geworden, daß der Fleischkonsum eine massive Gewaltanwendung gegen andere Lebewesen mit sich bringt, was nicht nur überflüssig, sondern auch ethisch unverantwortbar ist.
Es scheint allerdings, daß viele Menschen, die Fleisch essen, die ethischen Konsequenzen ihrer Ernährungsgewohnheiten nicht wahrhaben wollen. Manch einer würde zweifellos sogleich Vegetarier werden, wenn er sich beim Einkaufen, Kochen und Essen wirklich des Elends und der Angst der Schlachttiere bewußt wäre oder wenn er die Tiere, die er ißt, selbst töten müßte. Nur die wenigsten Menschen würden eine Besichtigung im Schlachthof verkraften, ohne danach von Albträumen geplagt zu werden. Beim Gedanken daran, daß das, was sie gerade genüßlich kauen, vor einiger Zeit noch ein lebendiges Wesen aus Fleisch und Blut war, würden die meisten Konsumenten wohl schlagartig eine natürliche Abscheu vor dem Schlachtprodukt Fleisch entwickeln. Fleisch wird deshalb von der Industrie oft in einer Form präsentiert, die die Assoziation zum lebendigen Tier verschwinden läßt.
Wirkliche Tierliebe sollte nicht selektiv sein. Wie kann man einerseits einen Hund oder eine Katze als Haustier halten und diese Tiere lieben – oftmals gehören sie praktisch mit zur Familie – und andererseits bedenkenlos das Fleisch von Kälbern, Schweinen, Lämmern und Hühnern essen? Keine Familie würde ihr eigenes Haustier schlachten und verzehren. Gerade für Kinder wäre ein solcher Totschlag eine traumatische Erfahrung. Warum dann eine Grenze ziehen zu anderen Tieren, bloß weil sie nicht «Haustiere» sind, sondern als «Schlachttiere» etikettiert und gegen Bezahlung von anderen Menschen getötet werden? Ist ein solcher Umgang mit Tieren nicht inkonsequent und unethisch?
Religionen : Christentum (nur um mal eine Welt-Religion zudurchleuchten)
Aus der frühchristlichen Geschichtsschreibung geht hervor, daß die ersten Generationen von Urchristen in der direkten Nachfolge Jesu meist nur fleischlose Nahrung zu sich nahmen. Einige Apostel werden sogar namentlich als Vegetarier erwähnt. Im Buch Paedagogus (II,1) des Clemens von Alexandrien (150–215) heißt es, daß der Apostel Matthäus «von Pflanzenspeisen lebte und kein Fleisch berührte». Der griechische Geschichtsschreiber Eusebios (264–339), Bischof von Caesarea, weist in seiner «Kirchengeschichte» (II,2,3) darauf hin, daß der Apostel und Evangelist Johannes ein überzeugter Asket und Vegetarier war. Und der Apostel Petrus bezeugt in den Clementinischen Homilien (XII,6): «Ich lebe von Brot und Oliven, denen ich nur selten ein Gemüse zufüge.»
Wie der Fleischverzehr «christlich» wurde
Bis ins 4. Jahrhundert weisen die Spuren der frühchristlichen Gemeinden aus Palästina, Byzanz, Griechenland, Karthago und Alexandria (Ägypten) deutlich darauf hin, daß alkoholische Getränke und Fleisch weitgehend abgelehnt wurden. Die damaligen Christen bezogen ihr Wissen über die Lehren Jesu aus den zahlreichen zugänglichen heiligen Schriften. Die meisten dieser urchristlichen Dokumente wurden später jedoch vom «westlichen» Christentum, dem neuen Zweig mit Rom als Zentrum, ignoriert oder abgelehnt.
Die Jesus-Bewegung verbreitete sich in den ersten drei Jahrhunderten nach Christus trotz massiver Verfolgungen im gesamten Mittelmeerraum und bis nach Indien. Diese geistige Macht führte auch zu Mißbrauch und Infiltration – und zu einer Institutionalisierung mit zunehmend weltlichen Interessen. Zu einer folgenschweren Wende kam es, als sich der damalige römische Kaiser Konstantin (280–337) entschied, diese neue Religion nicht mehr zu bekämpfen, sondern zu instrumentalisieren, indem er sie zur Staatsreligion im römischen Imperium ausrief und sich selbst zum Christentum «bekehrte». Konstantin, der nicht auf Fleisch und Wein verzichten wollte, ließ nur noch die römische Form des Christentums gelten und begann, die andere, ursprüngliche (!) Form des Christentums zu bekämpfen, oftmals mit brutaler Gewaltanwendung.
Daß die großen christlichen Religionen nach wie vor keine Notwendigkeit sehen, die Tiere vor dem Tod durch Schlachtung und vor dem Labortod durch Vivisektion zu retten, zeigt das folgende Zitat aus dem neuen Katechismus der römisch-katholischen Kirche (formuliert vom damaligen Kardinal Joseph Ratzinger, dem heutigen Papst Benedikt XVI.): «Somit darf man sich der Tiere zur Ernährung und zur Herstellung von Kleidern bedienen. Man darf sie zähmen, um sie dem Menschen bei der Arbeit und in der Freizeit dienstbar zu machen. Medizinische und wissenschaftliche Tierversuche sind in vernünftigen Grenzen sittlich zulässig, weil sie dazu beitragen, menschliches Leben zu heilen und zu retten. [...] Auch ist es unwürdig, für sie [die Tiere] Geld auszugeben, das in erster Linie menschliche Not lindern sollte. Man darf Tiere gern haben, soll ihnen aber nicht die Liebe zuwenden, die einzig Menschen gebührt.» (Seite 609, Abschnitte 2417 und 2418)
Es ist also nicht verwunderlich, daß es schon immer Stimmen gab, die von einem «Verrat der Christen an den Tieren» sprechen. «Was erwarten wir von einer Religion, wenn wir das Mitleid mit den Tieren ausschließen?» fragte sich bereits Richard Wagner, Komponist und Vegetarier.
Und der bekannte Paderborner Theologe und Psychotherapeut Eugen Drewermann erläuterte in einem Vortrag zur Friedenskultur in den Religionen (18. August 1991) die berühmte Zeile des «Vater Unser»-Gebetes, Unser täglich Brot gib uns heute, wie folgt:
«Gedenke auch unserer älteren Schwestern und Brüder, der Tiere. [...] Verbiete dem Menschen, Tiere zu töten, um sie zu essen. Denn auch sie sind fühlende Wesen, auch in ihnen wohnt die Sehnsucht nach Leben; unsere Weggefährten sind sie auf dem gemeinsamen Weg zur Unsterblichkeit. Solange noch Menschen Tiere töten, werden sie auch Kriege führen. Solange Menschen Tiere essen, werden sie ihre unschuldigen Opfer zu Tode quälen: zu Hunderttausenden in den Labors und Massenzuchtanstalten, zu Millionen in den Schlachthöfen der Städte, zu Myriaden in den Weltmeeren. Ihr Blutstrom darf nicht länger mehr als Nahrung dienen, ihr Leib nicht länger mehr als Rohstoff, ihr Leben nicht länger mehr als Lebensmittel für uns Menschen. Verbiete uns, Herr, das tägliche Fleisch. Das tägliche Brot gib uns heute. Amen.»
--------------------------------------------------------------------------
Interessant ist, dass jede der grossen Weltrelegionen genügend Hinweise in ihren Schriften hinterlassen hat, aber die heutigen aktuellen Dogmen der Kirchen weisen diese nicht mehr aus, bzw. sie sind nicht Bestandteil des heutigens Glaubens.
Vielleicht haben manchen unserer gläubigen Mitmenschen diese Zeilen nachdenklich gemacht
Die o.g. Abschnitte habe ich aus dem unten angefügten Buch entnommen. Wer sich dafür interessiert, kan im Link unten weiterblättern
http://www.vegetarisch-leben.ch/home.html
Vegetarisch leben - Die Notwendigkeit fleischloser Ernährung, Broschüre, Govinda-Verlag 1988, 5. Auflage 1999 ,
Verfasser Armin Risi, Schweizer Dichter, Veda-Philosoph und Sachbuchautor.