Meine Miniküche sollte nur eine Übergangslösung sein, nicht für mehr als sechs Monate. Ich hatte mein Haus verkauft und ein Kleineres erworben, das nicht so viel Arbeit machen sollte und solange es hergerichtet wurde, lebte ich in der Nachbarschaft in einem Studio mit einer niedlichen Küche unter der Treppe zum Schlafzimmer.
Ich hatte mir vorgestellt, dass dieser Platz für das Kaffeekochen und zur Zubereitung von Kleinigkeiten ausreichen würde. Vorher verfügte ich in meinem Landhaus über acht Schlafräume, sieben Feuerstellen und eine riesengroße Küche und der Wechsel war nahezu ein Schock. Alles, was hier nicht hineinpasste und wovon ich mich nicht trennen konnte, musste eingelagert werden und viele Teile meines Lebens wurden so verstaut für einen späteren Einsatz. Nicht einmal für meine Yogaübungen schien in dem Appartement Platz zu sein.
Trotzdem zog ich ein und lebte zwischen unausgepackten Kisten, weinte und wunderte mich über mein 3-D-Lebenspuzzle. Und hier sind wir nun in der Geschichte, die ich erzählen wollte: Kurz nach meinem Umzug ging ich zum Einkaufen und kaufte ein, wie ich es früher getan hatte. Wohin aber sollte ich nun mit meinen Einkäufen, den grünen Tomaten, Chilischoten, Zwiebeln und allem, was mir so in die Finger kam?
Als ich zurück war, suchte ich einen Topf, der gerade so auf die schmale Kochstelle passte und warf alles hinein, was mir während des Einkaufs in den Sinn gekommen war. Und mit den Dingen, die ich hineinwarf, beruhigten sich auch meine Emotionen. Die grünen Tomaten karamellisierten im Ofen und erfüllten das Studio mit ihrem Duft, während ich Chilischoten pürierte, deren Würze ich tief einsog und die Bohnen im Wasser kochten. Und ich rief meine Freunde an um sie zum Essen einzuladen.
Schon bald war die Suppe fertig und während wir aßen, erfüllte Gelächter das kleine Studio. Endlich fühlte ich mich zu Hause. Früher hatte ich meine riesigen Dinnerpartys genossen und sie regelrecht zelebriert. Jetzt kochte ich Suppe in einem großen Topf und lud meine Freunde durch kleine Nachrichten zum Essen ein. Mein Verhältnis zum Leben änderte sich und die winzige Küche verschaffte mir einen Hauch von unerwarteter Freiheit. Und weil man Suppe einfach teilen muss, wurden die Töpfe immer größer und voller und der Kreis der Eingeladenen größer.
Und was wir mit solcherart Essen miteinander teilen, ist mehr als nur die Nahrung. Es geht um Freundschaft und Gemütlichkeit und Zuwendung für andere. Das hatte ich beim Kochen meiner Suppen schnell erkannt. Ich habe noch zahllose Suppen gekocht und geteilt und fühlte mich daher zu einem neuen Suppenkochbuch inspiriert. Seit mehr als einem Jahr haben wir nicht nur Suppe geteilt in dem winzigen Raum, sondern mit einigen Freunden hat sich eine Yogagruppe entwickelt, die hier ihre Übungen gemeinsam vollzieht.