Anfang Mai 2011 kam es zu Schlagzeilen wie diesen: “Gefährlicher Durchfallkeim breitet sich aus” (stern.de) und “Zahl lebensgefährlicher Darminfekte im Norden steigt stark” (spiegel.de). Mittlerweile sind über 1.000 Fälle registriert worden, die Ursache ist jedoch noch unklar.

Ins Visier ist nun Gemüse geraten – vor allem Bio-Gurken aus Spanien. Vier Gurken wurden inzwischen positiv auf EHEC getestet, was am Dienstag (31. Mai 2011) dementiert wurde. EHEC-Infektionen treten in der Regel als unblutiger, wässriger Durchfall in Erscheinung. Begleitsymptome können Übelkeit und Bauchschmerzen sein. Im schlimmsten Fall kann die Erkrankung zu Nierenversagen und Tod (in zwei Prozent der Fälle) führen.
Wie können EHEC-Infektionen übertragen werden?
“EHEC-Bakterien werden direkt oder indirekt vom Tier auf den Menschen übertragen. Als Reservoir gelten Wiederkäuer, vor allem Rinder, Schafe, Ziegen. Die Übertragung auf den Menschen erfolgt fäkal-oral, wobei die Erregeraufnahme über den Kontakt mit Tierkot, über kontaminierte Lebensmittel oder Wasser erfolgt, aber auch durch direkten Kontakt von Mensch zu Mensch (Schmierinfektion).”
Liste potentiell gefährlicher Lebensmittel
* Lammfleisch
* streichfähige Rohwürste (z.B. Mettwurst, Teewurst)
* Rinderhackfleisch (z.B. in Hamburgern)
* Salami
* Rohmilch sowie Rohmilchkäse
* nicht pasteurisierter Apfelsaft
* roh verzehrtes grünes Blattgemüse (z.B. Sprossen, Spinat)
Kann man überhaupt noch Gemüse essen?
Donato Greco von der Weltgesundheitsorganisation WHO konstatiert, dass EHEC-Erreger in Rinderdärmen zu finden seien und somit auch in rohem Fleisch wie schlecht gekochten Hamburgern. Er habe noch nie derart gefährliche Keime auf Obst und Gemüse festgestellt. Die Bakterien seien außerdem durch die Beigabe von Antibiotika in Tierfutter resistent geworden.
“Da vegetarisch lebende Menschen kein Fleisch verzehren und somit auch in puncto Küchenhygiene besser abschneiden (da Gemüse nicht auf Brettern geschnitten wird, auf denen vorher Fleisch verarbeitet wurde), sind sie besser vor EHEC-Erregern geschützt”, ergänzt Prof. Dr. Claus Leitzmann, wissenschaftlicher Beirat des VEBU.
Wie kommen EHEC-Erreger nun auf Gemüse, vielleicht über Fäkaliendünger? Entwarnung kommt von der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen in Münster. Laut dieser ist das Düngen von Gemüse total abwegig. “Gülle wird nur auf Getreide-, Mais- oder Rapsäckern versprüht, aber noch bevor ausgesät wird”, so ein Sprecher der Landwirtschaftskammer.
Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner betonte, dass niemand wegen EHEC auf Gemüse verzichten müsse. Experten raten dennoch, vorsorglich Tomaten, Gurken und Salat in Norddeutschland nicht roh zu verzehren (weil “Patienten signifikant häufiger rohe Tomaten, Salatgurken und Blattsalate verzehrt hatten als gesunde Studienteilnehmer”). Nach wie vor ist die Quelle der EHEC-Epidemie unklar! “Obwohl alle Gemüse und Salate nachgewiesenermaßen frei von EHEC-Erregern sind, nimmt der Handel immer weniger ab”, so Klaus-Dieter Wilke, Geschäftsführer der größten Erzeugerorganisation für Obst und Gemüse bundesweit. Italienische Wissenschaftler schließen ebenfalls aus, dass kontaminiertes Gemüse die Ursache für die EHEC-Infektionen ist. Auch das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit bestätigt dies.
Statt dessen ist nun eine Gaststätte in Lübeck, in welcher wahrscheinlich Labskaus, Kartoffel-Wurst-Pfanne und Schweinefilet verzehrt wurde, ins Visier der Fahnder geraten. Seit Sonntag, den 5. Juni 2011, werden Mungo- und Sojabohnensprossen verdächtigt… Ulrich Frei, Ärztlicher Direktor der Berliner Charité, dazu: „Dass sich der EHEC-Erreger seit Anfang Mai ausbreitet, außer Gurken aus Spanien aber keine mögliche Quelle ermittelt wurde, macht mich unruhig.“
Fazit: Bislang ist der EHEC-Erreger weder auf Gemüse noch in Sprossen labortechnisch nachgewiesen worden!
Tipp: Waschen Sie Gemüse vor dem Verzehr gut und erhitzen Sie es gegebenenfalls. Dennoch gilt weiterhin die Empfehlung, dass ein Teil der pflanzlichen Kost (Obst, Salate, Kräuter, Gemüse) in roher Form verzehrt werden sollte. Darüber hinaus sollten Bretter und Messer nach der Verwendung gründlich gereinigt werden. “Wer diese Verhaltensweisen einhält, ist kaum in Gefahr über die Ernährung mit EHEC-Erregern in Kontakt zu kommen”, so Prof. Dr. Claus Leitzmann, wissenschaftlicher Beirat des VEBU.
Übrigens: EHEC-Infektionen treten weltweit auf. In Deutschland werden pro Jahr durchschnittlich 1.000 EHEC-Erkrankungen gemeldet.
Quelle und weitere Informationen finden Sie auf der Seite des VEBU bzw. des Robert Koch-Instituts.